kolumne

Nur im Herzen ist alles wahr

Es war kurz vor Weihnachten und zu diesem Anlass wollte ich dem Mann, den ich so sehr mochte, einen Brief schreiben. Also schrieb ich. Las die Zeilen erneut. Strich Sätze durch und zerknüllte das Papier. Ein Mal. Zwei Mal. Drei Mal.

„Was ist denn los, Maike?“, tadelte ich mich selbst.

Ich machte eine Pause, ging spazieren, versuchte es erneut – und scheiterte kläglich. Es war nicht so, dass ich gar nichts schrieb. Tatsächlich hatte jeder Brief, den ich zu Papier brachte, mehrere Seiten.

Doch irgendwie fehlte etwas.

Ich fragte mich sogar, ob ich doch nicht so viel empfand, wie ich dachte, und mir deswegen die rührenden Worte fehlten.

Fast schon gab ich mein Vorhaben auf, als mir klar wurde, warum ich solche Probleme hatte, diesen Brief zu schreiben.

Ich zensierte mich selbst.

Ich kannte diesen Mann noch nicht lange und wollte ihn mit dem Überschwang meiner Gefühle nicht direkt wieder verscheuchen. Deswegen strich ich unbewusst Sätze, die „zu viel“ sein könnten und ersetzte sie durch Sätze, die „okay“ waren.

Und so wurde der Liebesbrief ganz plötzlich zum Ausdruck meiner Angst.

Als ich das erkannte, ging ich nochmal in mich. Ich nahm den Stift in die Hand und begann, zu schreiben. Ohne zu denken. Ohne zu zensieren.

Ich schrieb und schrieb und mit jedem Satz wurden meine Augen feuchter, bis Tränen meine Wangen hinabliefen und dumpf auf das Papier tropften. Als ich den letzten Satz schrieb, lächelte ich. Der Brief war voller Gefühl, voller Dankbarkeit, voller Liebe.

Und so sollte es sein.

Im Verstand ist nichts jemals gut genug

Ich musste gerade an diese Geschichte denken, weil ich hier vor meinem Laptop sitze, um einen Artikel für dich zu schreiben. Ich hatte schon…

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